Todsünde
3sat 23.11.2016 / 23:30 Uhr
  • Regie: Matti Geschonneck

  • Buch: Hannah Hollinger

  • Musik: Jürgen Ecke

  • Kamera: Carl F. Koschnick

Auf den ersten Blick scheint es ein Mordfall wie jeder andere: Im winterlichen München muss Polonius Fischer den Mord an einer jungen Frau aufklären, die in einem verschlossenen Schrank zusammengekrümmt in der Tiefgarage eines anonymen Wohnblocks gefunden wird. Auf den zweiten Blick aber wird alles komplizierter.

Die Frau ist schnell identifiziert, doch wo ist die siebenjährige Tochter des Opfers? Es gilt einen Mörder zu finden, aber noch dringender ein Kind, das vielleicht noch lebt. Während der Ermittlungen wird schnell klar, dass Fischer und seine sieben "Apostel" von der Münchner Mordkommission 111 auf eine Wand von Gleichgültigkeit und Kälte stoßen.

Das Fünfte Gebot begleitet ihn schon sein Leben lang. Polonius Fischer war früher einmal ein richtiger Mönch. Aber seit 14 Jahren hat er diese Art der Suche nach Gott hinter sich. Denn als Gott nicht zu ihm gesprochen hat, hat er die Mönchskutte von einem Tag auf den anderen abgelegt und das Kloster verlassen.

Aber Christ ist Fischer dennoch geblieben. Nur eben ein seltsamer. Doch auch mitten im Leben hat er keine Antwort auf seine Fragen gefunden. Nun ist Fischer schon lange Kriminalkommissar und fragt sich doch noch immer: Was ist der Ursprung von Gut und Böse in jedem einzelnen Menschen?

Der Film erzählt die Suche nach den Gründen eines Verbrechens als Suche nach den dunkelsten Kräften des menschlichen Handelns: Tötung auf Verlangen, Gottesverlust und eine abgründige "Selbstmordsüchtigkeit" - das sind die Themen, die den Ex-Mönch in diesem Fall auf eine harte Probe stellen. Ist es etwa möglich, dass ein Mörder gemordet hat, um das Kind des Opfers zu retten? Hat die Ermordete etwas zu tun mit der anderen Frau, die erwürgt in einer kleinen Kapelle vor den Toren Münchens gefunden wurde?

Und wer ist jener Mann aus dem billigen China-Restaurant, der sie offenbar beide kannte? Plötzlich scheinen sich alle Fäden zu entwirren, der Verdächtige ist in Haft, und man könnte auf eine rasche Lösung hoffen. Doch Fischer glaubt nicht an einfache Lösungen, und er behält leider recht. Vielleicht vermag er das Böse ja besser zu begreifen, weil er weiß, dass es nicht nur ein polizeiliches Problem ist.