Die Geschichte vom Brandner Kaspar
ARD 28.01.2014 / 00:50 Uhr
  • Regie: Joseph Vilsmaier

  • Buch: Klaus Richter

  • Musik: Chris Heyne

  • Kamera: Joseph Vilsmaier

  • Jahr: Deutschland 2008

Der Brandner Kaspar ist ein gewitzter, lebenslustiger Wilderer, der noch l├Ąngst nicht zum alten Eisen geh├Ârt. Als kurz vor seinem 70. Geburtstag der Tod bei ihm anklopft, hat der alte Sturkopf noch keine Lust mitzukommen. Der Sensenmann beharrt auf seinen strengen Vorschriften, doch mit einer Flasche Schnaps und einem Kartentrick trotzt Kaspar ihm weitere 20 Lebensjahre ab. Die himmlische B├╝rokratie tobt und Kaspar lacht sich ins F├Ąustchen. ┬?Kir Royal"-Star Franz Xaver Kroetz ├╝bert├Âlpelt den Tod, der nie so lebendig gespielt wurde wie von Michael ┬?Bully" Herbig. Joseph Vilsmaiers wei├?-blaue Alpen-Comedy zeigt das Jenseits als entspanntes Bierzelt-Idyll. Das Erste gratuliert dem am 24. Januar 1939 in M├╝nchen geborenen Regisseur und Kameramann mit diesem Film zum 70. Geburtstag. * Irgendwo am idyllischen Schliersee, im 19. Jahrhundert: Der Brandner Kaspar (Franz Xaver Kroetz) macht als ber├╝chtigter Wilderer die Gegend unsicher. Seine erbitterten Gegner, B├╝rgermeister Kugler (Alexander Held) und dessen Gendarmen, haben dem alten Schlitzohr noch nie etwas nachweisen k├Ânnen. Als aber der Brandner einen Streifschuss abbekommt und verletzt in seiner H├╝tte liegt, scheint es ihm endg├╝ltig ans Schlafittchen zu gehen. Denn mit Blitz und Donner kommt uneingeladen ein bleiches, schwarz gewandetes Wesen in seine gute Stube: Es ist der Sensenmann (Michael ┬?Bully" Herbig), der den Kaspar holen will. Der denkt aber nicht daran zu sterben, macht den grantigen Schnitter mit Kirschwasser betrunken und verf├╝hrt ihn zu einem munteren Spielchen. So schindet Kaspar mit gezinkten Karten weitere 20 Lebensjahre heraus. W├Ąhrend der schwer verkaterte Tod seinen Fehler vor Petrus (J├Ârg Hube) und der Himmels-B├╝rokratie rechtfertigen muss, freut sich der Brandner Kaspar seines Lebens. Als seine h├╝bsche Enkelin Nannerl (Lisa Maria Potthoff) bei einem Jagdunfall stirbt, erweist sich der Segen als Fluch. Der Tod wittert seine Chance und gew├Ąhrt Kaspar probehalber einen Blick ins wei├?-blaue Paradies. Kaspar ist hingerissen, doch aufgrund seines langen S├╝ndenregisters drohen ihm zun├Ąchst viele Jahre Fegefeuer. Nachdem aber der Heiligen Dreifaltigkeit zu Ohren kommt, wie Kaspar den Tod ├╝bers Ohr gehauen hat, ist das himmlische Gel├Ąchter so gro├?, dass dem alten Schlawiner alle S├╝nden vergeben werden. Franz von Kobells 1871 in altbayerischer Mundart ver├Âffentlichte, tragikomische ┬?G'schicht' vom Brandner Kaspar" besitzt seit ihrer Theateradaption 1934 nicht nur auf bayerischen B├╝hnen ein ewiges Leben. Der querk├Âpfige Held, listig gegen irdische und himmlische Obrigkeiten k├Ąmpfend, wurde zum Mythos und Inbegriff bajuwarischer Mentalit├Ąt. Bereits 1949 und 1975 wurde die zeitlose Parabel u.a. mit Paul H├Ârbiger als Tod verfilmt. Auch Regisseur Joseph Vilsmaier besetzt die Hauptrollen mit prominenten Charakterk├Âpfen. Der Dramatiker Franz Xaver Kroetz verk├Ârpert den gem├╝tlichen Dicksch├Ądel Brandner, dessen anarchistische Ader ihn zum Verfemten und zum Volkshelden macht. Comedian ┬?Bully" Herbig verleiht als ┬?Boanlkramer" dem Tod schwerm├╝tig menschliche Z├╝ge - eine unheimliche und zugleich urkomische Vorstellung. Auch sonst bleibt die geradlinige und traditionsbewusste Inszenierung der Vorlage treu und erdet katholisch-barocke Metaphysik mit grimmig lakonischem Humor und einem Blick f├╝r das Paradies Bayern. Zwischen Almwiesen und Bergdorf sah die Voralpenlandschaft wohl selten anmutiger aus als in dieser folkloristischen Satire, die den lieben Gott einen guten Mann sein l├Ąsst. So wartet auf den alten S├╝nder anstelle des Fegefeuers eine wei├?-blaue Biergarten-Idylle, wie sie auf Erden nicht uriger sein k├Ânnte.