Miss Sixty
ARD 18.04.2017 / 21:45 Uhr
  • Rolle Schauspieler*in Agentur

  • Regie: Sigrid Hoerner

  • Buch: Jane Ainscough

  • Musik: Max Knoth

  • Kamera: Matthias Fleischer

  • Jahr: D 2014

Als Molekularbiologin wird Luise Jansen zwar geschätzt. Doch mit ihrem Mangel an Empathie hat sie es sich bei allen verscherzt. An ihrem 60. Geburtstag wird sie gefeuert. Was nun? In dieser Situation wirft ihr das Schicksal den vom Jugendwahn befallenen Galeristen Frans Winther vor die Füße: Hexenschuss im Park! Luise eilt ihm zu Hilfe und realisiert nach einiger Zeit: Diese Begegnung war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Als sie sich dann auch noch dazu entschließt, per Samenspende ein Kind zu bekommen, wird es heikel. Denn bei dem Spender handelt es sich um Max, den Sohn von Frans. In der flotten 60plus-Komödie lassen die Best-Ager das junge Gemüse ganz schön alt aussehen. * Luise Jansen (Iris Berben) wird 60, doch ein Grund zum Feiern ist das für sie nicht. Eben noch genoss die renommierte Molekularbiologin ein hohes fachliches – wenn auch nicht charakterliches – Ansehen. Jetzt steht sie plötzlich ohne Job da. Kollegialität war zwar nie ihre Stärke, doch die Art, wie sie ihr Chef und Ex-Geliebter Bernhard (Götz Schubert) abserviert und in Frühpension schickt, das ist für die gekränkte Best-Agerin schon ein starkes Stück. Nun steht sie ohne Lebensinhalt da und weiß nicht, wohin. Zuerst einmal ins Krankenhaus, wie sich herausstellt: Denn der Galerist Frans Winther (Edgar Selge), auch nicht mehr der Allerfrischeste, aber zwanghaft auf jugendlich getrimmt, erleidet nach wildem Sex mit seiner knackigen Assistentin Romy (Jördis Richter) beim Joggen im Park einen Hexenschuss. Was für ein Glück, dass Luise zufällig vorbeikommt und den Leidenden in die nächste Notaufnahme befördert. Allerdings nicht, ohne bemerkt zu haben, mit welch einem Anti-Charmebolzen sie es hier offensichtlich zu tun hat. Während sie in der Folgezeit zu Hause mit Mutter Doris (Carmen-Maja Antoni) die Abende vor dem Fernseher totschlägt und einen künftigen Lebensplan schmiedet, gibt Frans sein Imponiergehabe bei Romy nicht auf, und sei es mit einem neuen Toupet. Sein Sohn, der Journalist Max (Björn von der Wellen), nutzt des Vaters peinliches Gebalze derweil für eine Artikelserie über ältere Menschen. Und auch Luise hat sich in der Zwischenzeit zu einer sehr ungewöhnlichen, aber elementaren Aktion durchgerungen: Sie möchte das in ihrem bisherigen Leben Versäumte nachholen, sie will ein eigenes Kind. Hollywoodstars in ihrem Alter können das schließlich auch. Zwar stößt sie in ihrem direkten Umfeld zunächst auf herzlich wenig Verständnis, doch der Entschluss steht fest. Beim Googeln in der Internet-Samenspender-Datei findet sich auch bald ein geeigneter Kandidat: Es ist Max. Luise weiß nicht, dass es sich dabei ausgerechnet um den Sohn von Frans handelt. Eigentlich wollte sie diesen charakterlosen, alternden Dandy ja nie mehr wiedersehen. Doch wie das Schicksal manchmal so spielt: In der Zwischenzeit ist man sich nicht nur nähergekommen. Luise und Frans haben sich tatsächlich ineinander verliebt. Das Leben mit 60 – es kann so aufregend sein. Witz und Weisheit, Verstand und Gefühl, Leicht- und Tiefsinn: „Miss Sixty“ vereint diese Elemente zu einer ebenso munteren wie erhebenden Wohlfühl-Komödie, hinter deren frecher Pointen-Parade eine durchaus ernste Thematik steckt: Eine Frau in bestem Alter, frühzeitig aufs Abstellgleis geschoben, will es noch einmal wissen: Sie bricht mit einem Tabu, nutzt die Möglichkeiten der modernen Medizin, um ihr privates Glück zu finden. Wer wäre für diese Rolle besser geeignet als Iris Berben, die es wie kaum eine andere geschafft hat, im deutschen Film auf überzeugende, authentische Weise gegen das Diktat des Jugendwahns anzuspielen? Mit ihrem ebenbürtigen Film-Partner Edgar Selge spielt sie sich hier gekonnt die Bälle zu, dass es eine Freude ist.